Umsetzungsphase des Stakeholder-Dialogs

Die umfassende Einführung der Digitalisierung im ÖPV wird zusätzliche Investitionen 
notwendig machen, die absehbar die vorhandenen öffentlichen Mittel übersteigen. Diese sind bereits heute in vielen Fällen nicht ausreichend, um die bestehenden Aufgaben zu erledigen

Für eine ergebnisorientierte Umsetzung der in der Roadmap vereinbarten Maßnahmen wird der Stakeholder- und Dialog-Prozess in der bestehenden Organisationsstruktur fortgeführt
und weiterentwickelt. Die Vernetzung zwischen den verschiedenen Akteuren sowie zwischen der Fach- und Entscheidungsebene ist von großer Bedeutung, weil die Maßnahmen nur gemeinsam realisiert werden können. Als ein wesentlicher Baustein der Initiative ist am 1. Januar 2017 die Umsetzung des Förderprogramms „eTicketing und digitale Vernetzung im Öffentlichen Personenverkehr“ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur gestartet. In diesem Rahmen werden etwa 50 Organisationen in 13 Projekten mit insgesamt rund 16 Mio. Euro unterstützt. Die Förderprojekte bringen gemeinsam mit dem parallel laufenden Dialog- und Stakeholderprozess die Initiative „Digitale Vernetzung im Öffentlichen Personenverkehr“ voran. Die Vernetzung der Projekte und der Akteure findet im Rahmen von Workshop-Reihen und Fachgruppentreffen zu den drei Themenfeldern statt. In diesem Rahmen werden Projekte und Statusberichte vorgestellt sowie gemeinsame Fragestellungen und Fokusthemen diskutiert.

Im Folgenden werden die Aktivitäten entlang der Themenfelder vorgestellt. Neben den Projekten des Förderprogramms „eTicketing und digitale Vernetzung im Öffentlichen Personenverkehr“ sind Aktivitäten weiterer Forschungsprogramme und Branchenaktivitäten enthalten, die zur Umsetzung der Maßnahmen und zum Erreichen der Ziele der Initiative einen Beitrag leisten.

Fahrgast- und Kundeninformation

Die notwendigen Voraussetzungen und Grundlagen für eine konsistente und durchgängige Fahrgast- und Kundeninformation werden aktiv vorangetrieben.

Aktuelle Schwerpunkte sind die Arbeiten von DELFI sowie die laufenden Vorhaben der Förderinitiative, die z. B. offene Schnittstellen für eine bessere Vernetzung der Verkehrssteuerungssysteme im ÖPV schaffen (u.a. DiMo-FuH). Das im Mai 2017 beauftragte Forschungsprojekt zur Vernetzung von Datendrehscheiben (DDS) ist ein weiteres Beispiel dafür, dass viele der in der Roadmap genannten Maßnahmen aufgegriffen und erfolgsversprechend umgesetzt werden.

Das Projekt DELFIplus (Durchgängige ELektronische FahrplanInformation) wurde im Rahmen des Forschungsprogramms Stadtverkehr durch das BMVI gefördert und Anfang 2017 abgeschlossen. Aufgrund der engen Partnerzusammenarbeit konnten wichtige Ergebnisse auf strategischer, fachlicher und technologischer Ebene erzielt werden. In einer gemeinsamen DELFI-Konvention haben sich Bund und Länder zur Umsetzung der Strategie DELFI-2020 verpflichtet. Ein wichtiges Resultat der organisatorischen Neuausrichtung von DELFI ist zudem die Gründung des DELFI e.V. Er ist das zentrale Gremium für den Aufbau, den Betrieb und die Weiterentwicklung einer durchgängigen elektronischen Fahrgastinformation.

Aktuell erfolgt die Überführung von DELFIplus in den Wirkbetrieb, der ab Mitte 2018 aufgenommen werden soll.

Beitrag zur Umsetzung folgender Maßnahmen:
Website

In dem Verbundvorhaben der Förderinitiative werden die notwendigen Voraussetzungen zu einer modularen Systemarchitektur und zu offenen Standards geschaffen. Hierdurch werden dem Fahrgast konsistente, transparente und verlässliche Informationen zur Verfügung gestellt. Die Arbeiten zu modularen Systemarchitekturen und zu offenen Standards für den Informationsaustausch von ÖV-Fahrzeugen mit ihrer Umgebung und für den Informationsaustausch an Haltestellen laufen planmäßig. Die Funktionstüchtigkeit soll anhand verschiedener Demonstrationsszenarien verifiziert werden.

Beitrag zur Umsetzung folgender Maßnahme:
Downloads

Auf Basis der Hamburger Dispositionsplattform für flexible Bedienformen, die im Rahmen des Projektes konzipiert und entwickelt wird, werden drei Teilprojekte (Hafen Hamburg, Gewerbegebiet Billbrook, Schülerverkehr Kreis Herzogtum) mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen und individuellen Zielsetzungen realisiert, um flexible Verkehre im städtischen Ballungsraum umzusetzen und in der Praxis zu testen.

Beitrag zur Umsetzung folgender Maßnahmen:
Downloads

Im Mai 2017 beauftragte das BMVI im Rahmen des Forschungsprogramms Stadverkehr den DELFI e.V. mit den Partnern BLIC, Mentz und HaCon mit einem neuen Forschungsprojekt zur überregionalen Vernetzung von Datendrehscheiben. In dem Projekt werden technische Analysen und konzeptionelle Arbeiten sowie zwei Pilotanwendungen durchgeführt.
Die Pilotanwendungen sind als Verknüpfung der regionalen DDS von NASA, VBB und VBN sowie als Verknüpfung der Fernbusse (Flixbus) und Bahnfernverkehre (DB, Transdev u.a.) mit Datendrehscheiben geplant.
Das Vorhaben wird u.a. von den Mitgliedern der AG Datenqualität des VDV-K3-Ausschusses fachlich begleitet.

Beitrag zur Umsetzung folgender Maßnahme:
Downloads

Tarife und eTicketing

Schwerpunktmäßig werden innovative Tarifmodelle, eine durchgängige Nutzung der unterschiedlichen Medien (Chipkarte, Smartphone etc.) über Landes- und Verbundgrenzen hinweg sowie Standards und Ausbauvarianten zur automatischen Fahrpreisfindung näher adressiert. Hierfür werden geeignete Lösungskonzepte entwickelt, die in verschiedenen Verkehrs- und Verbundräumen demonstriert und durch Kunden getestet werden sollen. Mit dem Aufbau eines zentralen Clearings soll nicht zuletzt eine wesentliche Lücke und Voraussetzung für den Kauf und die Abrechnung interoperabler Produkte hergestellt werden.

Inhalte des Projektes sind die Entwicklung, Aufbau und Testbetrieb der drei Clearingkomponenten Produktclearing (Tarifserver), Forderungsclearing und Settlement. Parallel wird als Teilprojekt der Teilnehmervertrag für das Clearing im deutschen ÖPNV entwickelt. Es ist ein Probebetrieb des zentralen Clearingsystems mit unterschiedlichen Anwendungsfällen sowohl für die Check-in / Check-out-Systeme (Schwäbisch-Hall und Heilbronn) als auch für die Tarifermittlung vorgesehen. Zur Tarifermittlung soll das Clearingsystem zudem an das DELFI+ Landessystem in Hessen angebunden werden, um für den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) und Nordrhein-Westfalen die passenden Tarife für Reiseketten außerhalb der eigenen Tarifräume zu berechnen.

Beitrag zur Umsetzung folgender Maßnahmen:
Downloads

In dem Vorhaben wird derzeit ein gemeinsames Vertriebshintergrundsystem erarbeitet, um die Voraussetzung für die Einführung innovativer, elektronischer Tarifprodukte zu schaffen. Es ist beabsichtigt, eine Anwendung des Handytickets im verbund- und länderübergreifenden Betrieb zu entwickeln und die Möglichkeit zum Kauf von Tarifprodukten in anderen Verkehrsräumen (ggf. über IPSI – Interoperables Produkt Service Interface) zu schaffen.

Beitrag zur Umsetzung folgender Maßnahmen:
Downloads

Die Entwicklung und Standardisierung eines identifikationsbasierten (ID-basierten) eTicketing-Verfahrens mit automatischer Erfassung der ÖV-Nutzung ist das Hauptziel des Projektes. Hierzu werden ein Migrationskonzept entwickelt und die produktive Einführung vorbereitet. Weiterhin sind eine Realisierung und ein Test einer Smartphone-Lösung für die Betriebssysteme Android und iOS sowie eine prototypische Realisierung eines Kundenvertragspartner (KVP-)eigenen Nutzermediums geplant. Zudem soll die Integration aller Elektronischen Fahrgeldmanagement (EFM-) Systeme des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) in einer EILO-App erfolgen.

Beitrag zur Umsetzung folgender Maßnahmen:
Downloads

Das Vorhaben überführt Tarifdaten aus verschiedenen Verkehrsverbünden, die derzeit nur in proprietären Formaten vorhanden sind, in den Produkt- und Kontroll-Module (PKM-)Standard. Dazu werden alle Arten von Prozessen entlang der Servicekette (Fahrscheinautomaten, Tarifauskunftssysteme, eTicketing-Systeme, Kontrollgeräte etc.) genutzt. Mit der Integration der PKM-Module in das Fahrplanauskunftssystem der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) ist auch eine Evaluation anhand von realitätsnahen Tarifauskünften in Baden-Württemberg vorgesehen.

Beitrag zur Umsetzung folgender Maßnahmen:
Downloads

Im Rahmen des Projektes werden flexible Tarifangebote für Elektronische Fahrgeldmanagement (EFM-)Systeme entwickelt. Insbesondere für die Gruppe der Gelegenheitskunden werden dazu attraktive Angebote geschaffen. In Pilotversuchen soll ermittelt werden, inwieweit dies zu einer höheren Nachfrage führt und welche Wirkungen hiermit verbunden sind. Die flexiblen Tarifmodelle für den ÖPV sollen in den beiden Pilotregionen Nordhessen und im Landkreis Schwäbisch Hall einsetzt und getestet werden.

Beitrag zur Umsetzung folgender Maßnahme:
Downloads

In Verbindung mit dem Produkt- und Kontroll-Module (PKM-)Standard wird in dem Projekt ein neuer methodischer Ansatz der Tarifentwicklung aufgebaut. Real- und Vergleichsdaten werden dazu genutzt, um die flexiblen Tarifangebote zu analysieren und weiterzuentwickeln. Der prototypische Einsatz des Tariftool-XL ist für einen ausgewählten Modellraum im Zuständigkeitsgebiet des Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) geplant.

Beitrag zur Umsetzung folgender Maßnahmen:
Downloads

Multimodalität

Die in diesem Themenfeld erforderlichen Aktivitäten sind innovativ und zukunftsweisend.
Öffentliche und private Mobilitätsplattformen mit entsprechenden Applikationen stehen ansatzweise bereits zur Verfügung bzw. werden aufgebaut. In Zukunft sollen Kunden mit nur einer Registrierung bzw. Anmeldung die verschiedenen Dienste (Informieren, Buchen, Bezahlen, Fahren) entlang seiner gesamten Reisekette auch regionsüberschreitend nutzen können.

In verschiedenen Fördervorhaben werden dafür die weiteren Voraussetzungen zum Aufbau sowie zur Nutzung und Vernetzung dieser Plattformen geschaffen.

Mobility Inside entwickelt Systembausteine für eine vernetzte, interoperable und intermodale Plattformarchitektur, mit der eine Information, Buchung und Bezahlung von Mobilitätsdienstleistungen deutschlandweit möglich sein.

Die Mobilitätsplattform besteht aus der Vernetzungsarchitektur und der Vernetzungsorganisation von verschiedenen Plattformen. Weiterhin werden technische Referenzlösungen und ein Geschäftsmodell erarbeitet.

Beitrag zur Umsetzung folgender Maßnahme:
Website
Downloads

In DiMo-OMP werden derzeit eine Referenzarchitektur für Mobilitätsplattformen und die Standardisierung der zugehörigen Schnittstellen erarbeitet, die die Grundlage für eine zukünftige flächendeckende Vernetzung dieser Plattformen schaffen.

Die Entwicklung von Werkzeugen zur Spezifikation und Dokumentation der Schnittstellen ist weitgehend abgeschlossen. Auf der Basis des Rollenmodells der VDV-Kernapplikation werden nun die notwendigen Erweiterungen analysiert und mögliche Geschäftsmodelle näher untersucht.

Beitrag zur Umsetzung folgender Maßnahme:
Downloads

Die Mobilitätsplattform Leipzig mobil soll für kombinierte Angebote und Produkte erweitert werden. Es erfolgt eine Integration von regionalen Verkehrsträgern in die bestehende Mobilitätsplattform mit Fokus auf Taxi- und Mietwagen-Leistungen. Dazu werden neue tariflich integrierte Produkte entwickelt, die die übergreifende Nutzung von beispielsweise Taxi und ÖPNV ermöglichen. Weiterhin soll die Mobilitätsplattform Leipzig mobil als Vertriebskanal von Mobilitätsleistungen im Fernverkehr dienen. Die technischen Entwicklungen und Umsetzungen des Intermodalen Routers, der Apps (Integrierte Nahverkehrsauskunft Sachsen-Anhalt INSA, easyGo), des Tarifservers und des Buchungssystems erfolgen ab Herbst 2017.

Beitrag zur Umsetzung folgender Maßnahme:
Downloads

Es soll eine Lösung entwickelt werden, die dem Kunden die Nutzung des gesamten Verkehrsangebots in Mitteldeutschland mit einer regionalen App ermöglicht. Auf der Basis von bereits entwickelten Systemen wird dazu eine verkehrsmittelübergreifende und Tarifgrenzen überschreitende Auskunfts- und Buchungsplattform erstellt, mit der der Kunde eine interoperable Preis- und Verbindungsauskunft sowie Buchung erhält.

Beitrag zur Umsetzung folgender Maßnahmen:
Downloads

In dem Vorhaben wird derzeit eine anbieterneutrale, interoperable und regionale Kooperations- und Mobilitätsplattform entwickelt. Die lokal agierenden Mobilitätsanbieter werden dann über diese mandantenfähige Mobilitätsplattform eingebunden. Ab Herbst 2017 wird das System in den Testfeldern Osnabrück und Rhein-Main eingesetzt und auf seine Praxistauglichkeit hin untersucht.

Beitrag zur Umsetzung folgender Maßnahmen:
Website
Downloads

Querschnittsmaßnahmen

Die operative Umsetzung der Digitalisierung im ÖPV wird zusätzliche Investitionen notwendig machen, die absehbar die vorhandenen öffentlichen Mittel übersteigen. Dazu muss die Finanzausstattung der Aufgabenträger verbessert werden. Dies bedeutet, Aufgabenträger, Verkehrsverbünde und Verkehrsunternehmen stärker und zielgerichtet zu unterstützen und zu fördern, um die Herstellung und Verbesserung der Prozesse entlang der verkehrsmittel- und länderübergreifenden Servicekette zu ermöglichen. Neben der Finanzierung zählen auch Organisationsstrukturen, gesetzliche Rahmenbedingungen und Kundenakzeptanz bzw. Usability zu den Themen, die alle Themenfelder betreffen.

Im Rahmen des Gutachtens im Auftrag des BMVI (Forschungsprogramm Stadtverkehr) sollen insbesondere die relevanten ordnungspolitischen und rechtlichen Instrumente zur Finanzierung und Förderung von digitalen Infrastrukturen analysiert, der Investitionsbedarf für den Auf- und Ausbau und die laufenden Aufwendungen für den Betrieb der digitalen Infrastruktur im ÖPV ermittelt sowie Vorschläge für die operative und organisatorische Umsetzung für eine regions- und länderübergreifende Vernetzung erarbeitet werden. Über ein begleitendes Gremium, das sich insbesondere aus den relevanten Akteuren der Initiative zusammensetzt, soll die Aussagekraft und die Verwertbarkeit der Ergebnisse verstärkt werden.

Beitrag zur Umsetzung folgender Maßnahme:

Monitoring und Evaluation

Durch das Monitoring soll den beteiligten Stakeholdern eine Rückmeldung gegeben 
werden können. Das Monitoring stellt ein zentrales Steuerungsinstrument des Dialog- 
und Stakeholder-Prozesses dar, das auch zu einer regelmäßigen Anpassung im 
Prozessdesign führen kann.

Es ist von zentraler Bedeutung, dass bei jedem größeren Stakeholder-Treffen der bisher erreichte Stand und der Fortschritt der in der Roadmap vereinbarten Maßnahmen und Aktivitäten dargestellt werden. Dadurch sollen die Steuerungs- und Kerngruppe in die Lage versetzt werden, den Prozess erfolgreich zu gestalten. Abschließend kann die Umsetzung der Maßnahmen hinsichtlich der entfalteten Wirkungen ex-post evaluiert werden. Dabei ist auf die beschriebenen Visionen und Ziele Bezug zu nehmen, wobei zwischen verschiedenen Wirkungsebenen auch in zeitlicher Hinsicht zu differenzieren ist.